Über die Malerei von Silke Bartsch

 

Als leidenschaftliche Malerin bewegt sich Silke Bartsch im Spannungsfeld von Abstraktion und konkreter Darstellung. Dargestellt sind vornehmlich räumliche Situationen. Stimmige Perspektive und Maßstäblichkeit werden im künstlerischen Schaffensprozess gegen bildkompositorische und farbräumliche Erwägung balanciert.

Es kommen nie Menschen oder Lebewesen vor. Erkennbare Spuren, die diese vielleicht hinterlassen haben könnten, aber vor allem die Raumgestalt geben Bezüge zur alltäglichen Welt  - und somit dem Betrachter einen Einstieg.

Es sind spezifische Räume, die dabei für die Künstlerin Impuls gebend sind und waren. In der Entwicklung des Werks kann man erkennen, dass es sich in der Regel um größere Innenräume oder kleinere Außenräume handelt, wie etwa Zoogehege oder Spielanlagen. Es sind eher öffentliche, künstlich gestaltete, maßvolle und wohlbekannte Räume, eben nicht intime Kammern oder große Schauplätze. Fast im Gegensatz dazu ist die Farbigkeit sehr stark und nicht selten laut. Sie löst sich stellenweise vom Raum in die Bildfläche und entwickelt Eigenständigkeit. Ein intensives inneres Erleben tritt so in diese Räume und gleichzeitig erinnert es den Bildraum an seine flache Existenz auf der Leinwand.

Es war schon von Kindesbeinen an die Farbigkeit im Raumerleben von besonderem Reiz für die Künstlerin. So hat sie eine künstlerische Methodik entwickelt, ausgehend von Räumen, zu denen sie sich alltäglich ins Verhältnis setzt, serielle Bildkompositionen zu entwickeln, deren Farbigkeit sie in einem Akt zwischen Interpretation des Ausgangsmaterials und einer abstrakten Neuschöpfung entwickelt.

Sabine Banovic

 

 

Silke Bartsch zeigt uns Räume. Entstanden sind ihre Innen- und Außenräume häufig nach eigens angefertigten Fotografien. Hier leuchten sie uns groß und einladend entgegen. Tiergehege haben wir vor uns, und ganz genau wie im Zoo fangen wir unwillkürlich an zu suchen – wo ist denn nun der für uns munter turnende Primat? Wir stellen fest, dass wir das Entscheidende eben verpasst haben, wir wurden um den bunt versprochenen Auftritt betrogen. Irritiert wenden wir uns dem nächsten Gehege zu, wo uns genau dasselbe passiert. Unter der Überschrift "Rückzugsmöglichkeiten" sammelt Silke Bartsch diese verpassten Höhepunkte des Voyeurismus und gibt den unsichtbaren Bewohnern dieser Zellen einen Fluchtpunkt zurück.

Konstanze Ebel (Kunsthistorikerin Aachen)